Auf Schatzsuche am Haunsberg

Gestärkt mit dem Geist des Seehamer Bürgermeisters -ein ausgezeichneter Obstbrand-, machten sich vergangenen Sonntag zahlreiche Haunsberger auf die Suche nach verborgenen Schätzen in Seeham. Die von Christine Winkler vom Salzburger Bildungswerk Seeham organisierte Wanderung führte vom Dürnberg über den Gimelsberg hinab in den Teufelsgraben und gab Be- und Erstaunliches über alte Handwerkskunst und besondere Plätze der Gemeinde preis.

Auf zu Schusters Rappen            

Das Wichtigste beim Wandern ist bekanntlich ein gutes Schuhwerk. Deshalb war die erste Station der Schätzewanderung auch die alte Schusterei von Franz Kaltenegger. „Wir haben unsere Schuhe hier noch reparieren lassen“, erinnert sich eine Seehamerin. Von 1906 bis 1989 gab es beim Taubinger Gut am Dürnberg neben zwei Kühen, zwei Schweinen und ein paar Schafen auch seit jeher Leisten, Beiß-, Zwick- und Faltenzangen, Ahlen und Holznägel. In dem nunmehr über 100 Jahre alten Haus verbirgt sich die komplett erhaltene Schuhmacher-Werkstatt . Für die muntere Wanderergruppe öffnete der ehemalige Seehamer Amtsleiter die verzierten Türen und gewährte exklusive Einblicke in die alten Räumlichkeiten. Ein Museumsschatz der besonderen Art – denn in der alten Werkstatt des idyllisch gelegenen Hofes ist die Atmosphäre vergangener Zeiten fast greifbar. Wer ganz leise ist, kann sogar noch ganz vage hören, wie der alte Schuster die Holznägel in die Leisten hämmert .

 

Und zack – ist Weihnachten

Weiter ging es in Richtung Gimelsberg. Gleich nach der steil ansteigenden Kurve, die wohl schon so manchen Radfahrer aus der Reserve gelockt hat, wohnt ganz versteckt der Geist der Weihnacht. Betritt man nämlich den Schauraum von Albert Steiner, stellt sich augenblicklich andächtige Stimmung ein. Ein Schatz aus filigranen und detailgetreuen Krippen mit einer schier unendlichen Anzahl unterschiedlichster Figuren erwartet den Besucher. Hier fertigt der Krippenbauer seit 22 Jahren mit großem handwerklichen Geschick und viel Liebe zum Detail Krippen und Figuren an. „Die meisten Figuren fertige ich auf Bestellung an“, erzählt der Krippenbauer. „Oft mache ich gleich alles doppelt, damit ich selbst auch ein Exemplar behalten kann.“ Von der kleinsten Friedenstaube bis hin zum letzten Abendmahl tragen die Figuren seine ganz besondere Handschrift. Inspirieren lässt er sich von Gemälden und Skulpturen der christlichen Kunst, entwirft jedoch auch eigene Szenarien. So zum Beispiel die Großarler Schützen, die ihren lebenden Vorbildern zum Verwechseln ähneln. Fünf Stunden Arbeitszeit stecken im Durchschnitt in jeder Figur, bis sie in ihre Form kommt. „Besonders aufwändig sind die weiblichen Figuren. Die müssen ja schließlich richtig fesch sein“, lacht Steiner. Das Ausfertigen und Bemalen kommt noch extra hinzu. Seine Begeisterung für die Kunst des Krippenbauens, gibt Albert Steiner auf Anfrage auch gerne an Menschen weiter, die selber aus Ton, Schamott und bunten Farben kleine Schätze nicht nur für die Weihnachtszeit kreieren möchten.

 

Eiszeitseen und Pferdekutschen

Zwischen Krippenbauerwerkstatt und der nächsten Station, dem Brechlbad zu Webersberg, sorgte Altbürgermeister Matthias Hemetsberger für einen höchst informativen Zwischenstopp. Anlässlich des 60 jährigen Bestehens des Bildungswerks Seehams und der geplanten Gründung eines Museumsvereins steht in Jubiläumsjahr die Ortschronik im Fokus. An dieser arbeitet Hemetsberger schon seit geraumer Zeit und erlaubte den Schatzsucherinnen und Schatzsuchern einen verbalen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Flachgauer Gemeinde. Mit wunderbarem Blick auf die drei Trumer Seen war es leicht vorstellbar, dass vor mehr als 10.000 Jahren das gesamte Gebiet mit einem Eispanzer bedeckt gewesen war. Die zurückwandernden Gletscher erst haben uns die heutigen Seen beschert. „1381 wurde Seeham erstmalig urkundlich erwähnt. Damals gab es allerdings nur einen See und der hatte einem Wasserspiegel, der rund 20 Meter höher war“, weiß Hemetsberger. Zurückgelassen haben uns diese Gletscher aber auch das sogenannte Konglomerat. Ein Gesteinsgemisch, das sie vor sich herschoben und unter anderem eine wasserdurchdrungene und rutschgefährdete Westseite des Haunsbergs produzierten. Die Schatzsucher erfuhren zudem, dass der zwischen Obertrumer und Mattsee gelegene Wartsein, Teil eines Sandstein-Streifens ist, der sich von Nussdorf bis Mattsee zieht und wie wichtig der Bau der Westbahn im Jahr 1878 für die Gemeinde war. Denn damals entwickelte sich der Tourismus in der Region. Findige Seehamer spannten damals ihre Rösser ein und transportierten die ersten Urlaubsgäste mit Pferdewägen vom Seekirchner Bahnhof in die Sommerfrische nach Seeham.

 

Flachs – ein fast vergessener Schatz

Ein weiterer besonderer Platz mit Bezug zu einer in der Heuregion größtenteils verschwundenen Pflanze stand als nächstes auf dem Programm der Sonntagswanderung. Das Brechlbad zu Webersberg. 1998 hat Hans Steiner das letzte der 14 in Seeham betriebenen Brechlbäder renoviert, um es der Nachwelt zu erhalten. Auch der Brand, der vor zwei Jahren das inzwischen zum Museum und zu einer Kulturstätte herangewachsene Kleinod komplett zerstörte, konnte die Faszination des Paulseppl Bauern für die alte bäuerliche Leinengewinnung nicht schmälern. „Mit Unterstützung der inzwischen angewachsenen Brechlbadliebhaber konnten wir das Brechlbad naturgetreu rekonstruieren und im September wiedereröffnen“, freut sich Steiner. Aus der alten Kulturpflanze Leinflachs und Faserflachs wurde in den Brechlbädern das rupfene Tuch oder das leinerne Tuch gewonnen – sprich Seile und Kleidung gefertigt. In den Genuss des heute als Superfood bekannten Leinsamen , kamen damals nur die Kälber. Wie aus der empfindlichen Pflanze, die tatsächlich nur einen Tag lang blüht in einem sehr komplizierten Entstehungsprozess ein schicker Janker oder ein robustes Seil werden, erzählt Hans Steiner seinen Besuchern gerne genau. Und auch auf Lesungen und Konzerte in dieser idyllischen Umgebung darf man sich künftig wieder freuen.

 

Immer an der Ley-Lane lang

Auf dem weiteren Weg in Richtung Teufelsgraben offenbarte Hermann Rosenstatter einen ganz besonderen Schatz. Ein Kraftort und eine Energielinie, die sogenannte Ley-Lane. Sie zieht sich durch viele Seehamer Höfe. Das ist kein Zufall, sondern lässt sich auf das Wissen der alten Kelten aus dem Jahr 100 v.Chr. zurückführen, die schon damals wussten, wo gute Plätze für Haus und Hof zu finden sind. Aus dieser Zeit stammen nämlich keltische Sicheln und Sensen, die bei Ausgrabungen im nahe gelegenen Nussdorf zutage getreten sind. „Ich bin vor ein paar Jahren auf das Rutengehen aufmerksam geworden und habe diese Energielinie inzwischen von der Gasteiner Klamm bis ins bayerische Bodenmais verfolgt“, erzählt der Altbauer. Schon seit ein paar Jahren erfreut sich ein Steinkreis beim Schiessentobelhof besonderer Beleibtheit. Jetzt wird der Kraftort mit dem Bau einer Keltenschmiede erweitert und so zu einem weiteren Schatz der Seehamer Entwicklungsgeschichte.

 

Steter Tropfen formt den Stein

Beim rauschenden Wildkarwasserfall setzte der Kugelmüller und Geologe Paul Herbst das Kugelmühlrad in Gang. Die glänzenden und glatten Kugeln, die die Kraft des Wassers gepaart mit der nötigen Geduld aus kantigen Steinblöcken formt, begeisterten nicht nur die Jüngsten. Früher als Geschoss, Spielzeug oder Ballast auf Handelsschiffen im Einsatz, dienen sie heute als besondere Dekostücke oder Schmeichelsteine. „Als Geologe ist für mich immer wieder faszinierend, was aus den Gesteinen entsteht“, verrät Herbst, der die Mühle ehrenamtlich betreibt und täglich nach seinen Steinen schaut.

Nach einem wunderbaren Sonntag mit vielen Informationen, Eindrücken und guter Verköstigung, fand die gelungene Wanderung beim Tobelmühlhof, umrahmt von Musik und Bauernherbst-Schmankerln ihren gemütlichen Ausklang.

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